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Frisch aus dem Booster, warum ist meine Karte trotzdem keine 10?

15.09.2026 · 7 Min Lesezeit

Booster geöffnet. Karte gezogen. Sofort ins Soft Sleeve. Danach direkt in den Toploader. Nicht angefasst, nicht gespielt, perfekt behandelt.

Und trotzdem bekommt die Karte beim Grading keine 10.

Wie kann das sein?

Diese Frage begegnet uns bei JAF's-Grading immer wieder. Denn schnell entsteht der Eindruck: Eine frisch gezogene Karte müsste sich automatisch in perfektem Zustand befinden.

Tatsächlich ist das aber nicht der Fall.

Der Grund dafür ist ziemlich einfach:

Der Zustand einer Sammelkarte beginnt nicht erst in dem Moment, in dem du sie aus dem Booster ziehst.

Bereits während der Herstellung, Verarbeitung, Verpackung und des Transports können Merkmale entstehen, auf die du als Sammler keinerlei Einfluss hast.

„Pack Fresh“ bedeutet nicht automatisch „Perfect“

Eine Karte kann unmittelbar nach dem Öffnen eines Boosters sorgfältig behandelt werden.

Du kannst Handschuhe tragen, die Karte ausschließlich an den Rändern anfassen, sie sofort sleeven und anschließend in einen Toploader oder anderen Schutz geben.

Damit machst du alles richtig.

Was du damit allerdings nicht verändern kannst, ist der Zustand, in dem die Karte das Werk verlassen hat.

Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen „frisch gezogen“ und „perfekt“.

Das Centering, der offensichtlichste Beweis

Das beste Beispiel dafür ist das Centering, also die Zentrierung des Kartendesigns.

Beim Grading wird unter anderem betrachtet, wie das Motiv beziehungsweise die entsprechenden Ränder auf der Karte ausgerichtet sind.

Und darauf hast du als Sammler exakt null Einfluss.

Eine Karte kann frisch aus dem Booster kommen und vom ersten Moment an perfekt behandelt werden, wenn das Centering bereits bei der Produktion deutlich verschoben ist, lässt sich daran nachträglich nichts ändern.

Wäre jede frisch gezogene Karte automatisch eine 10, müsste man das Centering beim Grading überhaupt nicht beurteilen.

Auch Corners, also die Ecken einer Karte, können bereits ab Werk auffällig sein.

Karten werden während der Produktion aus größeren Druckbögen geschnitten beziehungsweise ausgestanzt. Dabei entsteht nicht zwangsläufig bei jeder einzelnen Karte eine vollkommen identische und saubere Ecke.

Bereits frisch aus dem Booster können deshalb beispielsweise unsaubere, leicht ausgefranste oder nicht optimal geschnittene Corners vorhanden sein.

Du kannst die Karte anschließend noch so vorsichtig behandeln, diese Merkmale waren bereits vorher vorhanden.

Edges: Wenn die Schnittkante nicht perfekt ist

Ähnliches gilt für die Edges, also die Kartenkanten.

Der Zustand der Schneid- beziehungsweise Stanzwerkzeuge kann Einfluss darauf haben, wie sauber eine Karte aus dem Bogen getrennt wird.

Je nach Produktion können dadurch beispielsweise leicht raue oder ausgefranste Kanten entstehen.

Gerade bei bestimmten Sets und Herstellern treten solche produktionsbedingten Merkmale erfahrungsgemäß häufiger auf als bei anderen.

Das bedeutet nicht, dass jede Karte eines entsprechenden Sets betroffen ist. Es zeigt aber, warum zwei Karten aus demselben Produkt direkt nach dem Öffnen bereits unterschiedliche Zustände haben können.

Print Lines und Oberflächenfehler

Und dann wäre da noch die Surface, also die Oberfläche.

Auch hier kann eine Karte bereits ab Werk Merkmale aufweisen.

Ein klassisches Beispiel sind Print Lines, feine Linien, die während des Produktionsprozesses entstehen können.

Auch leichte Kratzer, Druckspuren oder andere Oberflächenmerkmale können bereits vorhanden sein, bevor der Sammler die Karte überhaupt zum ersten Mal in der Hand hält.

Besonders bei glänzenden, spiegelnden oder großflächigen Foil Oberflächen können selbst sehr feine Spuren sichtbar werden.

Jedes Kartengebiet hat seine eigenen typischen Problemstellen

Wer viele unterschiedliche Sammelkarten in der Hand hat, stellt irgendwann fest, dass sich bestimmte Auffälligkeiten je nach Hersteller, Set, Epoche und Kartenart unterscheiden können.

Bei manchen One Piece Sets können beispielsweise die Edges auffälliger sein.

Bei Yu-Gi-Oh! waren beziehungsweise sind bei bestimmten Produktionen häufiger die Corners ein Thema.

Bei älteren Pokémon Holos kann wiederum die empfindliche Holo Oberfläche bereits feine Kratzer oder andere Spuren aufweisen.

Und gerade bei Sportkarten begegnen einem je nach Hersteller und Produkt unterschiedlichste produktionsbedingte Auffälligkeiten, von Corners und Edges bis hin zur Surface.

Das sind keine absoluten Regeln. Nicht jede Karte eines Herstellers oder Sets besitzt diese Merkmale.

Sie zeigen aber sehr gut:

„Frisch gezogen“ beschreibt, wann eine Karte aus ihrer Verpackung genommen wurde, nicht ihren tatsächlichen Zustand.

Zwei Karten aus demselben Booster können unterschiedlich sein

Genau deshalb kann es theoretisch passieren, dass du zwei Karten unmittelbar hintereinander ziehst, beide exakt gleich behandelst und sie beim Grading trotzdem unterschiedliche Bewertungen erhalten.

Denn bewertet wird nicht, wie vorsichtig du mit der Karte umgegangen bist.

Bewertet wird der tatsächlich vorliegende Zustand der Karte.

Eine Karte kann beispielsweise ein hervorragendes Centering und sehr saubere Kanten besitzen, während die nächste Karte bereits produktionsbedingt eine Print Line oder eine unsaubere Ecke aufweist.

Beide wurden vom Sammler perfekt behandelt.

Trotzdem sind sie nicht im gleichen Zustand.

Was bringt dann die perfekte Behandlung nach dem Ziehen?

Sehr viel.

Denn auch wenn du produktionsbedingte Merkmale nicht verhindern kannst, kannst du verhindern, dass weitere Beschädigungen entstehen.

Direktes Sleeven, vorsichtiger Umgang und eine geeignete Aufbewahrung schützen die Karte beispielsweise vor zusätzlichen Kratzern, Whitening, Druckstellen oder anderen Beschädigungen.

Du kannst also nicht beeinflussen, in welchem Zustand die Karte produziert wurde.

Aber du kannst sehr wohl beeinflussen, in welchem Zustand sie bleibt.

Eine 10 muss man sich genauer ansehen

Genau deshalb gibt es Grading überhaupt.

Würde „Booster Fresh“ automatisch bedeuten, dass eine Karte perfekt ist, müsste man frisch gezogene Karten gar nicht erst detailliert beurteilen.

Centering, Corners, Edges und Surface wären praktisch bedeutungslos.

In der Realität können jedoch bereits während der Produktion Unterschiede zwischen einzelnen Exemplaren derselben Karte entstehen.

Und genau diese Unterschiede werden beim Grading sichtbar.

Deshalb gilt:

Frisch gezogen bedeutet frisch gezogen.

Es bedeutet nicht automatisch perfekt.

Behandle deine Karten trotzdem vom ersten Moment an sorgfältig, denn alles, was nach dem Öffnen passiert, hast du selbst in der Hand.

Was vorher passiert ist, leider nicht.

Case it, Baby.

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